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Von: Stefan Siemann

Tristesse im Mittelfeld oder Angriff auf die Tabellenspitze? Vom zehnten bis zum vierten Platz war vor dem Anpfiff alles drin. Und einiges drin war auch in den 92 Minuten Spielzeit die folgen sollten und den 28.987 Zuschauer in der Red-Bull-Arena so ziemlich alles boten, was man in einem Fußballstadion für sein Geld erwarten konnte.

Nach fünf eher bedachten Minuten hatte es die erste Torszene der Partie gleich richtig in sich. Dominik Kaiser mit einem feinen Pass in die Schnittstelle der Abwehr, wo Davie Selke im Richtigen Moment startete und vom kurz vor der Partie in die Startformation gerutschten Georg Margreitter nur mithilfe einer Notbremse gestoppt werden konnte. Folgerichtig Elfmeter und die Rote Karte für Margreitter. Dominik Kaiser übernahm die Aufgabe, vollstreckte ganz abgeklärt und verlud Raphael Schäfer (7.).

Kurz darauf dann auch schon das 2:0. Lukas Klostermann folgte im höchsten Tempo dem Ball in die Tiefe, überlief auch die Grätsche von Laszlo Sepsi und passte scharf ins Zentrum wo Davie Selke hereingrätschte und die Führung ausbaute (11.). Und RB Leipzig blieb weiter am Ball, die Kopfballabwehr vom erneut unglücklichen Sepsi landete 25 Meter vor dem Tor in zentraler Position vor den Füßen Selkes, der den Ball volley und mit Hilfe des Innenpfostens ins Tor jagte. 3:0 nach 16 Minuten.

Erst nach 29 Minuten das erste Offensivlebenszeichen der Gäste, doch Hovlands Kopfball konnte letztlich ohne Probleme geklärt werden. Auf der Gegenseite dann aber sofort wieder Gefahr. Diesmal ein Standard. Der zuletzt häufiger kritisierte Willi Orban lief perfekt ein, doch sein Kopfball strich knapp über die Latte. Der überforderte Laszo Sepsi musste daraufhin vom Feld und wurde von Dave Bulthuis, der eigentlich anstatt des Rot-Sünders Margreitter beginnen sollte, ersetzt. Damit ist das wichtigste der ersten Halbzeit erzählt. RB schaltete zwei Gänge zurück, hatte weiter alles im Griff gegen die in Unterzahl spielenden Nürnberger.

Beide Mannschaften kamen ohne Wechsel aus den Kabinen. In der 53. Minute zwang Marvin Compper das Schlitzohr Raphael Schäfer mit seinem Lupfer aus 35 Metern Entfernung zu einer schönen Parade. Zwei Minuten später dann die Szene der zweiten Hälfte! Marcel Halstenberg mit dem Tor des Jahres! Einen perfekten Fallrückzieher aus 16 Metern Entfernung setzte der Außenverteidiger in den Winkel des Gästetores. Was für ein Jubel in der Arena. Ohrenbetäubend die Lautstärke, nur ein Pfiff störte die Party und dieser kam von Schiedsrichter Christian Dingert. Der hatte bei der Flugeinlage ein gefährliches Spiel gesehen und verweigerte dem Treffer die Anerkennung. Was die Lautstärke im Kessel aber nicht senkte, und dem Referee stattdessen ein gellendes Pfeifkonzert einbrachte.

In der 61. nutzte Ralf Rangnick dann ein Unterbrechung, um zu Wechseln. Yussuf Poulsen kam für Massimo Bruno und Nils Quaschner für Davie Selke. Kaum auf dem Feld wurde das Spiel weitergeführt und der Freistoß vom Ex-Erfurter Kevin Möhwald fand im RB Strafraum Dave Bulthuis, der das Kopfballduell gegen Marvin Compper gewann und damit dem Anschlusstreffer erzielte. Bei RB schlichen sich zunehmend Ungenauigkeiten ein, welche Nürnberg immer wieder ins Spiel brachten. So geschehen dann in der 76. Minute als ein unnötiger Ballverlust zu einem Freistoß führte. Diesen brachte Kevin Möhwald wieder gefährlich in den Strafraum. Dort war diesmal der eben eingewechselte Niklas Füllkrug zur Stelle und köpfte unbedrängt zum Anschluss ein.

Und RB verlor die Spielkontrolle, wirkte komplett verunsichert. Nur zwei Minuten später hätte Füllkrug den Ausgleich erzielen können. Frei vor Coltorti ging sein Schuss aber knapp am langen Pfosten vorbei. In der 80. Verfehlte ein Behrens-Lupfer sein Ziel ebenso knapp. Auf der anderen Seite klärte Schäfer per Fußabwehr gegen Sabitzer (81.). Bis zum Schluss gab es auf beiden Seiten Gelegenheiten zur Entscheidung oder zum Ausgleich. Um wieder Ordnung in das Spiel seiner Elf zu bringen, brachte Ralf Rangnick in der 85. Spielminute Tim Sebastian für den erschöpften Marvin Compper, doch damit war das Schiff nicht im sicheren Hafen.

Denn es folgte nochmal der Wahnsinn in der 91. Minute! Niklas Füllkrug staubte nach einer Ecke im zweiten Versuch zum vermeintlichen Ausgleich ab, führt eine Partie, die in der 16 Minute schon entschieden schien ad absurdem, doch wieder zerriss ein Pfiff die Geräuschkulisse. Diesmal entscheid Schiri Dingert auf Abseits und wie schon beim Fallrückzieher von Halstenberg lag er richtig. Zwei Minuten später war diese verrückte und dramatische Partie dann endgültig beendet und bescherte den Leipzigern die erhofften und benötigten 3 Punkte. Mit diesen rücken die Rot-Weißen auf den fünften Platz vor und haben jetzt vor der Länderspielpause nur einen Punkt Rückstand auf den Relegationsplatz und vier Punkte auf die direkten Aufstiegsplätze.

 
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