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RB rettet sich ins Achtelfinale

Last-Minute Sieg über starke Aue bringt Wiedersehen mit Wolfsburg

Von: Stefan Siemann

So unterschiedlich waren die Trainermeinungen nach dem Spiel, dem: „Ich bin stolz auf meine Mannschaft, wir waren klar die bessere Mannschaft.“ von Aue-Trainer Tomislav Stipic, stand das „Wir waren die bessere Mannschaft“ von RB-Couach Alexander Zorniger gegenüber. Und in der Tat ließ das Spiel zwei Meinungen zu, die besseren Chancen hatten die Gäste, mehr Ballbesitz und den schlussendlich längeren Atem aber die Leipziger.

Die Partie startete für die Gäste unglücklich, denn nach einem Zusammenprall musste Henri Anier bereits früh durch Mike Könnecke ersetzt werden (6.). Eben dieser sollte in der Folge die Partei noch entscheidend mitbestimmen. Nach ersten kleineren Aktionen auf beiden Seiten, stand dann aber ein anderer Neuer im Mittelpunkt. Bei seinem Pflichtspieldebüt für RB verlängerte der erst 18-jährige Lukas Klostermann eine Flanke von FCE-Kapitän René Klingbeil im Bogen über Keeper Coltorti hinweg ins Tor zur Gästeführung (20.).

In der Folge hatte RB mehr vom Spiel, ohne aber gefährlich Chancen zu kreieren. Die nächste nennenswerte Chance hatten wieder die Auer in Person des eingewechselten Könnecke (32.), welchem bei seinem Schuss vor Coltorti aber die Nerven versagten. Bis zur Halbzeit blieb es bei der knappen Gästeführung. RB war zwar optisch überlegen, wirklich gute Gelegenheiten erarbeiteten sich die Leipziger aber nicht. Daher stellte Alexander Zorniger um und brachte, für den Defensiven Stefan Hierländer, mit Federico Palacios einen weiteren Stürmer, um auch den Auer Spielaufbau früher zu unterbinden.

In der zweiten Hälfte sahen die 28.419 Zuschauer in der Red-Bull-Arena weiterhin ein sehr gutes, spannendes Spiel. Arvydas Novikovas hatte dann mit seinem 18-Meter-Schuss, knapp am langen Pfosten vorbei, die Gelegenheit zu erhöhen (57.), doch sein Trauma sollte später noch folgen. Nur zwei Minuten darauf hatten die Bullen großes Glück. Zunächst rettete Coltorti gegen Kortzorg, der Abpraller landete direkt vor Mike Könnecke, welcher den Ball aber gegen die Querlatte des verwaisten Tores grätschte (59.). Nach etwas mehr als einer Stunde später kam Terrence Boyd für Kapitän Frahn ins Spiel, auch an dieser Stelle ist schon mal ein Verweis auf den späteren Spielverlauf nötig. Die erste wirkliche RB-Chance hatte aber Yussuf Poulsen, der mit Tempo auf die Abwehr zulaufen konnte und aus 17-Metern abzog, doch sein Schuss klatschte nur an den Außenpfosten (67.). Dann begannen zehn Wahnsinnsminuten.

Zuerst hätte es beim eingewechselten Boyd fast mit dem Tor geklappt, doch den Kopfball fischte Martin Männel mit den Fingerspitzen aus dem Winkel (80.). Im Gegenstoß lief Novikovas alleine von der Mittellinie los und hatte alle Zeit der Welt um den Sack mit seinem Tor zuzumachen. 30 Meter vor dem Tor entschied er sich für einen Heber über Coltorti hinweg, doch dieser scheiterte kläglich in den Händen des müde lächelnden RB Torhüters (81.). Die Bullen setzten sich nun in der Auer Hälfte fest und bespielten mit hohen, langen Bällen die tief stehenden Gäste, die ihre letzte Gelegenheit über einen Kortzorg-Konter hatten (88.).

Kurz darauf kündigte der vierte Offizielle drei Minuten Nachspielzeit an. Die Auer, bis zu dieser Stelle verdient eine (vermeintliche) Runde weiter, hatten nur noch einen Eckball zu überstehen. Und genau bei diesem passierte es. Die neunte RB-Ecke fand am Fünf-Meter-Raum Yussuf Poulsen, der seine Sprungkraft nutzte um aus luftiger Höhe zum viel umjubelten und nicht mehr für möglich gehaltenen Last-Minute Ausgleich zu köpfen (91.). Kurz darauf beendete Schiedsrichter Tobias Stieler die reguläre Partie und bei Teams mussten in die Verlängerung.

In dieser gingen den tapferen Erzgebirglern die Kräfte etwas eher aus, als den, nochmal durch das Tor motivierten, Leipzigern. Zum Unglücksraben wurde dann endgültig Mike Könnecke, welcher im Strafraum Georg Teigl von den Beinen holte, so dass Schiedsrichter Stieler keine Wahl blieb, außer auf Strafstoß zu entscheiden. Diesen versenkte Dominik Kaiser sicher in der Ecke und verwandelte die Arena damit in ein Tollhaus (97.). Auch im Rest der Nachspielzeit kontrollierten die Hausherren das Spiel und machten mit dem entscheidenden 3:1 den Sieg klar. Poulsen steckte schön auf die Grundlinie zum herangelaufenen Kaiser durch, welcher kurz schaute und Terrence Boyd bediente, welcher sich die Kopfballchance nicht entgehen ließ (108.). Den Auern fehlte die Kraft sich noch einmal aufzubäumen, mehr als ein Schuss von Patrick Schönfeld, der aber das Tor deutlich verfehlte, kam nicht heraus.

RB Leipzig zog damit das erste Mal in der Vereinsgeschichte in das DFB-Pokalachtelfinale ein und trifft dort auf den VfL Wolfsburg, welchen die Leipziger bei ihrer ersten Teilnahme 2011 im Pokal, als damaliger Regionalligisten, durch drei Frahn-Tore aus der ersten Runde warfen. Die Auer können sich nun auf die Liga konzentrieren und dabei auf der starken Leistung aufbauen. In den ersten 90 Minuten hätten die Gäste einen Sieg verdient gehabt, doch die Chancen zum Sieg wurden leichtfertig vergeben. Aufgrund der größeren Reserven und der hohen Einzelspielerqualität rettete erreichte aber nun RB Leipzig die nächste Runde und hofft dort auf einen weiteren Überraschungscoup.

 
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